Wie ein Flug zum anderen Kontinent

Gefährliche Radiologie? Ein mtawerden-Gespräch mit Stefanie Becht, leitende MTRA am Unfallkrankenhaus Berlin, über ein Vorurteil, den richtigen Umgang mit den Strahlen und den effektiven Strahlenschutz.

Angenommen, ich erzähle Ihnen von meinem Urlaub im Himalaya mit einem zehnstündigen Hinflug und einer dreitägigen Trekkingtour im Hochgebirge. Könnten Sie mir dann sagen, wie viele Strahlen ich dabei aufgenommen habe?

Becht: Einfach umrechnen lässt sich das nicht. Man kann aber die Dosis an Strahlung in der Natur mit derjenigen in der Röntgendiagnostik vergleichen. Bei einem achtstündigen Flug in 10.000 Metern Höhe zum Beispiel bekommt man etwa so viel Strahlung ab wie bei zwei Röntgenuntersuchungen der Schulter. Auch im Hochgebirge ist man der kosmischen Strahlung stärker ausgesetzt. Was viele nicht wissen: Auch das Rauchen belastet die Bronchien mit einer erheblichen Menge an radioaktiver Strahlung.

Was genau sind Röntgenstrahlen?

Becht: Röntgenstrahlen sind elektromagnetische Wellen. Sie haben sehr viel mehr Energie als das sichtbare Licht und können unter bestimmten Bedingungen auch künstlich erzeugt werden. Etwa in einer Röntgenröhre. Ihr Entdecker ist Wilhelm Conrad Röntgen. Er hat sie erstmals zufällig bei einem Experiment am 8. November 1895 beobachtet und erkannt, dass sie in der Medizin angewendet werden können.

Wie können Röntgenstrahlen zum Nutzen der Menschen angewendet werden?

Becht: Eine Röntgenuntersuchung macht man ja nicht zum Spaß, sondern weil man den Patienten helfen will. Das Röntgenbild liefert notwendige Hinweise, welche Therapie und Behandlung im jeweiligen Krankheitsfall angesagt ist. Vor jeder Untersuchung ist der Arzt verpflichtet, das Risiko einer Schädigung durch die Röntgenstrahlenanwendung gegenüber dem Nutzen der Untersuchung abzuwägen.

Dann kommt es darauf an, dass die MTRA die Geräte professionell bedient?

Becht: In der Tat. MTRA-Schülerinnen und –Schüler lernen während der Ausbildung theoretisch und praktisch, wie sie sich selber vor Röntgenstrahlen schützen können und welche Auswirkungen die Röntgenstrahlen auf das menschliche Gewebe haben kann. Wichtig ist, bei geringst möglicher Dosis ein Bild mit der erforderlichen Qualität zu erzeugen. Um die Strahlenbelastung für MTRA zu kontrollieren, werden wir monatlich durch eine Strahlenmessstelle überwacht.