Resorbierbares Implantat hinterlässt keine Spuren

Bei der Behandlung von Knochenverletzungen wird häufig auf Implantate zurückgegriffen. Nun entstand im Rahmen des Forschungsprojektes Resobone ein so genanntes resorbierbares Implantat. Dieses hat verglichen mit den herkömmlichen Titanimplantaten den großen Vorteil, dass es sich im beinahe gleichen Maße im Körper zersetzt, in dem der verletzte Knochen nachwächst.

Als ich mich mit dem Thema um diesem Beitrag beschäftigte, musste ich unweigerlich an den Tag denken, an dem ich mit Verdacht auf Jochbeinbruch in der Notaufnahme der Kölner Uniklinik saß. Vorausgegangen war ein in meinen Augen skurriler Fahrradunfall. Ich befand mich bereits kurz vor der eigenen Haustür als ich nur noch die Straßenseite wechseln musste und den Lenker ein wenig nach oben zog um vom Bürgersteig auf die andere Seite zu gelangen. Im selben Moment sprang mir das Vorderrad aus der Gabel und ich schlug Gesicht voran auf dem Asphalt auf.

Nächster Stopp: Notaufnahme, Röntgenraum.?Frage an das medizinische Fachpersonal: „Was könnte es denn schlimmstenfalls sein?“ ?Antwort: „Jochbeinbruch, OP, Titanimplantat.“

?Resobone
nennt sich das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiierte Projekt, bei dem ein Implantat entstand, das zukünftig herkömmliche Implantate wie beispielsweise Titan ersetzen soll. Das neuartige Implantat besteht aus resorbierbarem Material, das sich während des Heilungsprozesses in annähernd gleichem Zeitverlauf abbaut wie der Körper die verletzten Knochenpartien regeneriert. Dies war aufgrund der bisher verwendeten Materialien nicht möglich, d.h. das Implantat ersetzte bis dato den Knochen entweder dauerhaft oder musste in einer Folgeoperation entfernt werden. Das neuartige Implantat dagegen verschwindet, sobald die Verletzung endgültig ausgeheilt ist. Die Vorteile liegen auf der Hand: nicht nur, dass sich im Körper auf Dauer kein Fremdkörper mehr befindet, sondern auch, dass möglicher Weise eine Vielzahl an Folgeoperationen entfällt. Man denke nur an Kinder, bei denen im Wachstumsverlauf die herkömmlichen Implantate ja nicht mitwachsen.

Möglich machen das der Einsatz neuartigen Biomaterials und dessen Aufbau. So ist das Implantat nicht wie bisher massiv sondern porös. Es gleicht in seiner Form einer Gitterstruktur, die es dem umliegenden Knochen ermöglicht, in das Implantat hineinzuwachsen. Die Herstellung dieser Gitterstruktur erfolgt mit Hilfe eines Laserstrahls, der den Werkstoff zu 80 bis 100 Mikrometer feinen Strukturen schmilzt. Bei dem Werkstoff handelt es sich um das oben erwähnte Biomaterial, genauer gesagt Polylactid, in welchem sich Körnchen aus Tricalciumphosphat befinden. Es sind diese Körnchen, die dem neuartigen Implantat einen weiteren Vorteil im Vergleich zu seinen herkömmlichen Vorgängern verschaffen: sie regen den natürlichen Heilungsprozess beim Patienten an.

Die Implantate werden übrigens auf der Grundlage von Computer-Tomographien patientenspezifisch angefertigt. So erhält jeder Patient sein individuelles Implantat. Und das geht schnell: ein Ersatz für ein defektes Jochbein lässt sich in wenigen Stunden, ein fünf Zentimeter großes Schädelstück über Nacht herstellen.

Trotz aller Vorteile würde das beschriebene Implantat zukünftig allerdings nur dort zum Einsatz kommen, wo die verletzte Knochenstruktur keiner massiven Belastung ausgesetzt ist; also im Gesichts-, Kiefer- oder Schädelbereich – womit wir wieder bei meinem Jochbein wären. Grund hierfür ist die Struktur des Implantats und die Tatsache, dass man derzeit lediglich 25 Quadratzentimeter große Lücken schließen kann.
 
Bisher haben sich resorbierbare Implantate in Form von Pasten, Granulaten und Halbzeugen bewährt. Bleibt nur noch abzuwarten, ob resorbierbare Implantate sich zukünftig zu einem Standard entwickeln werden. Hier sind vor allem die Implantathersteller gefordert.
 
Und so ist abschließend nur noch anzumerken: Zum Glück war das Jochbein dann letzten Endes doch nicht gebrochen; allerdings überprüfe ich seither von Zeit zu Zeit an meinem Fahrrad die Schrauben.

Weiterführende Informationen:
www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2010/06/ersatzknochen-laserschmelze.html