Operieren und kassieren

Ein Klinik-Daten-Krimi

In Deutschland entscheidet häufig allein der Wohnort darüber, ob ein Patient operiert wird oder nicht. Das ist das Ergebnis einer aufwendigen Recherche im Auftrag des WDR. Ein Journalistenteam hat gemeinsam mit dem Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS) erstmalig ein Computerprogramm entwickelt und damit die Daten des Statistischen Bundesamtes zu rund 130 Millionen Krankenhausaufenthalten analysiert. Die Auswertung zeigt, wie sehr die ärztliche Behandlung davon abhängt, wo ein Patient lebt und wie profitorientiert ein Krankenhaus ist.

Warum werden erstaunlich viele Kniegelenksprothesen ausgerechnet in Bayern eingebaut, die meisten Füße in einem Landkreis Thüringens amputiert? / Bild: WDR/Längengrad Filmproduktion GmbH


Infos und Sendehinweis
Operieren und kassieren
Ein Klinik-Daten-Krimi
44 Minuten | Die Story | WDR
Das Video „Operieren und kassieren“ findest du in der ARD-Mediathek

Warum werden in den alten Bundesländern deutlich mehr Kaiserschnitte gemacht als in den neuen? Warum werden erstaunlich viele Kniegelenksprothesen ausgerechnet in Bayern eingebaut, die meisten Füße in einem Landkreis Thüringens amputiert? Warum werden in Osthessen im Vergleich zum Bundesdurchschnitt fast dreimal mehr Menschen am Rücken operiert? Wie kann es in Deutschland zu solch extremen regionalen Unterschieden kommen?

Auf Grundlage einer aufwendigen Datenanalyse begibt sich der Film auf eine Reise ins Schattenreich der Gesundheitswirtschaft, in der jedes Jahr mehr als 300 Milliarden Euro umgesetzt werden. Er führt in Regionen, wo Patientinnen und Patienten auffällig häufig unters Messer kommen und nichts davon ahnen, dass ihre OP möglicherweise überflüssig und vielleicht sogar schädlich ist. Er seziert mit Hilfe von Insidern die Methoden, wie manche Kliniken massenhaft an Patienten und profitable Operationen kommen.

Test-Patienten

Das Journalistenteam schickt Test-Patienten zu auffälligen Kliniken, um zu überprüfen, ob die Datenanalyse mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Wird ihnen zu einer teuren Operation geraten, obwohl diese nicht nötig ist und Risiken birgt? Die verblüffenden Ergebnisse werden Experten zur Beurteilung vorgelegt.

Die Story im Ersten "Operieren und kassieren" macht deutlich, wie unzureichend das Kontrollsystem von Behörden und Krankenkassen ist: Selbst bei Verdacht auf unnötige und teure OPs gibt es kaum Handlungsmöglichkeiten.

OP-Atlas

Mit dem Zeitpunkt der Ausstrahlung können sich Interessierte im Internet detailliert über die Situation an ihrem Wohnort informieren. Dort erhalten sie auch wichtige Hinweise, wie sich Patienten besser vor überflüssigen und riskanten Operationen schützen können:

http://www1.wdr.de/verbraucher/gesundheit/op-atlas/op-atlas-uebersicht-100.html