Ich will dabei sein, wenn Behandlungsmethoden weiter entwickelt werden

Für jeden Patienten erfolgt eine individuelle Bestrahlungsplanung.

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Behandlungsplatz mit robotergesteuertem Patiententräger und drehbarem Computertomographen.

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Bestrahlungsplatz in der Gantry: Der Strahl erreicht den Patienten aus jedem Winkel.
Fotos: HIT
MTAwerden-Interview: Sabine Kuhn verantwortet die MTRA Gesamtleitung der Abteilung Radioonkologie und Strahlentherapie und des Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrums (HIT) am Universitätsklinikum Heidelberg. Das HIT wurde im November 2009 für den Patientenbetrieb eröffnet. Die Anlage verfügt unter anderem über eine weltweit einzigartige drehbare Strahlführung (Gantry) sowie über zwei Horizontalstrahlplätze, um Tumorpatienten mit Schwerionen und Protonen behandeln zu können. Susanne Werner von der MTAwerden-Redaktion sprach mit Sabine Kuhn über diesen spannenden Arbeitsplatz.
Das HIT bietet spezialisierte Behandlungen für Patienten an, deren Tumoren durch eine übliche Bestrahlung schwer behandelbar sind. Wie ist es als MTRA an diesem hochmodernen Arbeitsplatz zu arbeiten?
Kuhn: Forschung und Innovationen in der Medizin haben mich schon immer begeistert. Ich will dabei sein, wenn Behandlungsmethoden im Interesse der Patienten weiterentwickelt werden. Im MTRA-Beruf gibt es keinen Stillstand, sondern viel mehr beständige Neu- und Weiterentwicklungen und das ist für mich das Reizvolle.
Welche beruflichen Schritte führten Sie in diese Richtung?
Kuhn: Nach dem Examen als Medizinisch-technischen Radiologieassistentin (MTRA) am Universitätsklinikum Heidelberg 1990, arbeitete ich an der Radiologischen Universitätsklinik Heidelberg in der Abteilung Klinische Radiologie und Strahlentherapie. Drei Jahre später wechselte ich an die Klinische Kooperationseinheit Strahlentherapie am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg (DKFZ). Dort habe ich unter anderem Erfahrung in der Patientenbehandlung mit schweren Kohlenstoffionen gesammelt, die gemeinsam mit den Kollegen von der Gesellschaft für Schwerionenforschung Darmstadt entwickelt worden war. Das Projekt wurde von meiner Seite von 1993 bis Juli 2008 betreut. Bis Juli 2008 wurden in jeweils drei Behandlungszyklen pro Jahr insgesamt knapp 400 Patienten mit Schädelbasistumoren behandelt. Im Oktober 2003 übernahm ich die MTRA-Leitung an der Radiologischen Universitätsklinik in der Abteilung Radioonkologie und Strahlentherapie und im November 2009 kam die MTRA-Leitung am HIT hinzu.
Wie sieht ihre Arbeit am HIT aus?
Kuhn: Weltweit gibt es einige Protonen- und Schwerionentherapieanlagen. Das Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum verfügt jedoch über einzig artige Merkmale, die seine Sonderstellung in Europa und der Welt ausmachen. Weltweit ist es die erste kombinierte Protonen- und Schwerionentherapieanlage, die an einem Universitätsklinikum angesiedelt ist. Im HIT wird durch eine spezielle Applikationsmethode, dem so genannten „Intensitätsmodulierten Raster scan-Verfahren“, eine niemals zuvor erreichte Präzision in der dreidimensionalen Bestrahlung von Tumoren erreicht. Der Patient muss hierfür exakt individuell immobilisiert und positioniert werden. Ebenfalls müssen die Konturen des Tumors bei der Bestrahlungsplanung mit höchster Präzision ermittelt werden. Nur dann kann der Therapiestrahl den Tumor zielgenau treffen. Im HIT werden erstmalig Tischroboter zur hochpräzisen Patientenlagerung eingesetzt. Damit bringt die MTRA den Pa tienten mit Präzisionen von unter einem Millimeter in die richtige Bestrahlungssposition. Deckenroboter (Imager), die mit einem Flatpanel ausgestattet sind, machen vor dem Bestrahlungsbeginn orthogonale Röntgenaufnahmen des Tumorareals.
Welche Patienten werden am HIT vorwiegend behandelt?
Kuhn: Zunächst sollen etwa 600 Patienten pro Jahr an zwei Horizontalstrahlplätzen mit bestimmten Tumorerkrankungen – etwa Tumoren im Bereich der Schädelbasis, so genannte Chordome oder Chondrosarkome, aber auch Speicheldrüsentumore (ACC) - pro Jahr behandelt werden. Die Patienten leiden an Tumoren, die gegenüber einer herkömmlichen Photonenbestrahlung relativ resistent sind und von hoch strahlenempfindlichem gesundem Gewebe umschlossen werden, wie beispielsweise Auge, Sehnerv oder Hirnstamm. Für eine Reihe von Tumorindikationen konnte hierdurch das Therapieergebnis wesentlich verbessert werden. Die Kosten eines kompletten Bestrahlungszyklus (20 Bestrahlungsfraktionen) belaufen sich zurzeit auf rund 20.000 Euro.
