Fortschritt kann auch Segen sein
Unaufhaltsam schreitet der technische Fortschritt voran. Für Dich als MTRA kann das eine spannende Sache sein. Ein Bericht über das Postmortale Imaging Center am Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich und dessen Einsatz von CT und MR im Rahmen von Obduktionen.
Es ist der technische Fortschritt, der immer öfter Einzug in unser Leben hält; manchmal Fluch, oftmals aber auch Segen. Besonders dann, wenn er unseren Arbeitsalltag erleichtert oder es um unser gesundheitliches Wohlergehen geht; wenn er uns zu neuen Erkenntnissen verhilft und bereits vorhandene Strukturen festigt oder sinnvoll ergänzt.
Ein gutes Beispiel hierfür bietet das Ende 2010 ins Leben gerufene Postmortale Imaging Center am Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich, das Gerichtsmediziner bei ihrer Arbeit unterstützt.
Hierfür steht dem Institut nicht nur ein extra großes CT Gerät zur Verfügung, das aufgrund seiner Ausmaße sogar Untersuchungen an Brandopfern ermöglicht, die wegen ihrer postmortalen Fechterhaltung normalerweise in keinem Computertomographen Platz finden. Sondern auch ein leistungsfähiger Magnetresonanztomograph (Kernspin) mit einer höheren Feldstärke (3 Tesla) als derzeit in der Routine noch üblich.
Bevor nun also am Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich die klassische Gerichtsmedizin mit der Obduktion an einem verstorbenen Menschen beginnt, wird dieser in das Postmortale Imaging Center gebracht. Dort wird der Körper zu allererst in dem oben beschriebenen Computertomographen gescannt. Hierbei werden bis zu zehntausend Bilder aus allen denkbaren Perspektiven aufgenommen und anschließend zusammengesetzt. Man erhält nun nicht nur Aufnahmen vom Skelett des Toten, sondern auch von dessen Haut, Lungen, Atemwegen, Luftröhre, Magen oder gasgefüllten Darmschlingen.
Anschließend erfolgen dann weitere Untersuchungen im Magnetresonanztomographen; allerdings nur, wenn Verletzungen von Weichteilen vorliegen, wie beispielsweise feine Einblutungen unter der Haut. Die Qualität der hierbei entstehenden Bilder ist enorm hoch – auf Wunsch auch in 3-D. Verletzungen können somit präzise lokalisiert und analysiert werden. Diese Analyse sollte mit zunehmenden Erfahrungswerten an Genauigkeit zunehmen. So hofft man am Institut, dass in Zukunft immer präzisere Interpretationen der Bilder möglich sein werden. Diese Forschungsergebnisse könnten dann nicht nur zu einer Arbeitserleichterung in der Pathologie führen, sondern auch eine Hilfe für die Ausbildung von Radiologen sein, die Aufnahmen lebender Patienten interpretieren müssen.
Alle im Postmortalen Imaging Center gewonnen Erkenntnisse werden anschließend an die Pathologen der Rechtsmedizin weitergeleitet. Diese nutzen sie als Ausgangsdaten für die anstehende Obduktion. So erhalten sie entweder vorab nützliche Informationen über eine mögliche Todesursache oder aber Hinweise, an welchen Stellen mit besonderer Vorsicht zu obduzieren ist. Trotzdem ist zu beachten, dass die Daten der Bild gebenden Verfahren lediglich unterstützenden Charakter haben. Sie können keinesfalls die physische Obduktion ersetzen. Schon allein, weil Bilder weder Geräusche noch Gerüche transportieren können; beides wichtige Faktoren bei der Suche nach einer Todesursache.
Abschließend werden die Bilder in einem Picture Archiving and Communication System (PACS) gespeichert, auf das Gerichtsmediziner auch noch Jahre nach der Obduktion zugreifen können.
Video über MR und CT im Postmortalen Imaging Center:
http://www.gesundheitsprechstunde.ch/Pages/Other/WidgetPage.aspx?Tab=Wissenswert&CN=415fd63d-f522-4966-bfbd-7c97ddb93684&OID=5efac260-ee3a-459c-8641-02e455fc4dd0&OT=GESTVShow
