Wer an den Elbe Kliniken in Stade seine Ausbildung als MTRA oder MTLA macht, kann seine Berufschancen verdoppeln. Denn Jugendliche mit Realschulabschluss können dort neben der MTA-Ausbildung zugleich das Fachabitur ablegen – z/usammen in nur drei Jahren. Die Absolventinnen und Absolventen haben nicht nur beste Aussichten im spannenden MTA-Berufsfeld, sondern können auch an allen Fachhochschulen studieren.
Die MTLA-Schule in Lemgo hat als erste Schule in Deutschland bereits vor sechs Jahren dieses innovative Bildungsangebot umgesetzt. Inzwischen ist auch in Bayern die doppelte Qualifikation im Rahmen eines Schulversuchs möglich. Je nach Bundesland aber ist die Ausbildung mit dem Ziel Berufsabschluss plus Fachhochschulreife etwas anders gestaltet.
Zusätzlicher Unterricht an berufsbildender Schule
Das Modell in Stade funktioniert nun so: Die medizinischen Fachschulen der Elbe Kliniken bildet neben MTRA und MTLA auch angehende Gesundheits- und Krankenpfleger, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger sowie Physiotherapeuten aus. Ihnen allen steht die Zusatzqualifikation Fachhochschulreife offen. Wer sich beispielsweise neben der MTLA- oder MTRA-Ausbildung qualifizieren will, muss vor allem im zweiten Ausbildungsjahr doppelt pauken. In dieser Zeit ist zusätzlich die Berufsbildende Schule (BBS) III in Stade zu besuchen. Dort bilden alle Schülerinnen und Schüler der medizinischen Fachschulen der Elbe Kliniken zusammen eine Schulklasse. Je nach Ausbildungsrichtung in einem der Gesundheitsberufe müssen die Jugendlichen pro Woche zwischen sechs und acht Stunden zusätzlich die Schulbank drücken.
In einem Schuljahr 220 Stunden zusätzlich
„Das modulare System ermöglicht es, dass der Unterricht dann stattfindet, wenn die Azubis auch Zeit haben – abends und am Wochenende“, sagt Barbara Zurek. Die promovierte Diplom-Biologin leitet das Bildungsprojekt an den Elbe Kliniken und unterrichtet ebenso an den beiden MTA-Schulen. An zwei Abenden in derWoche sowie an einzelnen Samstagen werden die MTRA- und MTLA-Schülerinnen und Schüler nun auf das Fachabitur vorbereitet. Verteilt über das Schuljahr müssen insgesamt 220 Stunden abgearbeitet werden und zwar in Deutsch (160 Stunden), Englisch (40 Stunden) sowie Mathematik und Politik (20 Stunden).
Erste Prüfung bereits im Mai
Eigentlich schreibt das Kultusministerium in Niedersachsen 560 zusätzliche Schulstunden für Doppelqualifikationen vor. „Die MTA-Ausbildung ist in den naturwissenschaftlichen Fächern aber so hochwertig, dass es viele Überschneidungen zu den regulären Lehrplänen der Oberstufe gibt und viele Unterrichtseinheiten auch für das Fachabitur anerkannt wurden“, freut sich Zurek. Den 24 Schülerinnen und Schülern des ersten Jahrgangs in Stade steht bereits im Mai die Prüfung an der Berufsbildenden Schule bevor. Wenn sie diese bestehen, haben sie das Fachabitur schon fast in der Tasche und noch genügend Zeit, sich auf das Abschlussexamen als MTLA oder MTRA ein Jahr später vorzubereiten.
Erste Schule mit Doppelqualifikation in Niedersachsen
Die MTA-Schulen in Stade gehören zum ersten Schulzentrum im Gesundheitswesen in Niedersachsen, das die Doppelqualifikation seit 2009 anbietet. „Der Schulversuch ist auf drei Jahre angelegt, doch das Kultusministerium hat schon jetzt grünes Licht für alle Schulen in Niedersachsen gegeben, die unser 'Stader Model’ umsetzen wollen“, sagt Barbara Zurek.
Pionier aus Lemgo und Schulversuch in Bayern
Bundesweite Vorkämpferin auf dem Gebiet der doppelqualifizierenden Berufsabschlüsse ist die MTLA-Schule Lemgo. Schulleiterin Alexandra Adam verweist darauf, dass ihre Bildungseinrichtung in Nordrhein-Westfalen bereits seit Herbst 2004 „einen Berufsabschluss mit integrierter Fachhochschulreife, das sogenannte „Modell Lemgo“ für ihre MTLA-Auszubildenden ermöglicht. Andere Bundesländer haben inzwischen nachgezogen: In Bayern etwa gibt es seit 2006 den Schulversuch „Berufsausbildung und Fachhochschulreife“, an dem sich Auszubildende der MTA-Schulen beteiligen können. „An der MTA-Schule des Berufsbildungszentrum Gesundheit Ingolstadt“, so berichtet Direktor Wolfgang Lamprecht, „haben 2009 je eine MTLA- und eine MTRA-Schülerin die so genannte „Ergänzungsprüfung“, also die Reife, die zum Studium an Fachhochschulen berechtigt, mit großem Erfolg abgelegt.
Autorin: Susanne Werner (mtawerden-Redaktion)

