Medizinisch-technische Radiologieassistenten (MTRA) werden dringend gesucht. Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind exzellent. Dennoch schrecken manche Jugendliche zurück. Denn ähnlich wie bei einem Studium wird eine MTRA-Ausbildung nicht vergütet, sondern es fallen sogar Gebühren für die Lern- und Lehrmittel an – auch bei staatlichen Schulen.
Innovative Konzepte, wie der MTRA-Nachwuchs gewonnen werden kann, sind also gefragt. Ein Pionier auf diesem Gebiet ist das Zentrum für Strahlentherapie und Radioonkologie Bremen. Die radiologische Gemeinschaftspraxis vergibt auch 2010 wieder zwei Stipendien für die MTRA-Ausbildung an die MTA-Schule in Oldenburg. Im MTAwerden-Interview erzählt der Direktor des Zentrum, Professor Dr. med. Ulrich M. Carl, wie umfassend das Stipendium ist und wie es zu dieser Idee kam.
Herr Prof. Dr. Carl, warum haben Sie sich dazu entschlossen, den MTRA-Nachwuchs mit Stipendien zu fördern?
Dr. Carl: Im Wesentlichen waren es zwei Erfahrungen: Zum einen stelle ich immer wieder fest, dass Jugendliche heute schnell unsicher werden, wenn sie hören, dass bei einer MTRA-Ausbildung auch Kosten anfallen. Zum anderen hatten wir zunehmend Probleme, genügend MTRA-Absolventen auf dem freien Arbeitsmarkt zu finden. Daher haben wir uns mit Anke Ohmstede, Schulleiterin der MTA-Schule Oldenburg, zusammengesetzt und überlegt, was wir anbieten könnten. Gemeinsam wurde so die Idee der Stipendien entwickelt, mit denen wir engagierte Jugendliche bei der Berufsorientierung gezielt unterstützen wollen.
Was umfasst ein solches Stipendium?
Dr. Carl: Wir übernehmen sämtliche Lehrgangsgebühren und die Haftpflichtversicherung für die Dauer der Ausbildung von drei Jahren sowie die Gebühr für das Examen.
Dann geht es in erster Linie um eine finanzielle Unterstützung?
Dr. Carl: Nein, unsere Stipendien bieten weit mehr. Wichtig ist uns, die beiden Stipendiaten von Anfang an wie Kollegen in unser Team zu integrieren. Die MTRA-Schüler absolvieren daher alle praktischen Anteile der Ausbildung im Bereich Strahlentherapie bei uns im Zentrum und wir stehen auch bereit, wenn es während der Ausbildung fachliche Fragen gibt oder eine individuelle Unterstützung beim Lernen gewünscht wird. Wie jeder im Team profitieren auch die MTRA-Schüler von unseren Fortbildungsmöglichkeiten. Die MTRA-Stipendiaten haben also von Anfang an einen sehr engen Kontakt zum Berufsalltag und lernen so vieles einfach über das Mitarbeiten im Team. Die MTRA-Ausbildung gleicht ja von der Anforderung her eher einem akademischen Bacheolor-Abschluss als einer üblichen Berufsausbildung.
Wie sieht es nach bestandener MTRA-Ausbildung aus?
Dr. Carl: Wir bieten ein gesichertes Arbeitsverhältnis nach Beendigung der Ausbildung für mindestens drei Jahre. Danach gibt es weitere Fördermöglichkeiten. Wir ermuntern die Absolventen, sich weiter ausbilden zu lassen – etwa zum Medizin-Physik-Experten.
Wie kann man sich auf das Stipendium bewerben?
Dr. Carl: Interessierte Schüler müssen sich zunächst bei der MTA-Schule Oldenburg um einen MTRA-Ausbildungsplatz bewerben. Die Auswahl liegt da ganz in der Hand der MTA-Schule. In einem zweiten Schritt wählen wir dann gemeinsam von den angehenden MTRA-Schülerinnen und -Schülern jene aus, die für ein Stipendium geeignet erscheinen.
Weitere Informationen:
Zentrum für Strahlentherapie und Radioonkologie in Bremen

