22.04.10

Ohne Flexibilität und Teamgeist geht es nicht


Jeder Handgriff sitzt. Vorbereitung für die nächste MRT-Untersuchung. Michael Hinze und seine Kollegin.

Foto: Nickel

91 Prozent der Medizinisch-Technischen Radiologie-Assistenten (MTRA) sind weiblich – der MTRA-Beruf damit ein typischer Frauenberuf. Der Anteil der männlichen Kollegen liegt seit den letzten zehn Jahren konstant bei acht bis neun Prozent. Was bewegt einen Mann diesen Beruf zu ergreifen? Die MTA-werden Redaktion begleitet Michael Hinze einen Vormittag am Radiologischen Institut des Helios-Klinikums Emil von Behring in Berlin-Zehlendorf.

MTRAs als Ansprechpartner für Patienten und Angehörige
Seinen Arbeitstag beginnt Michael Hinze heute um 7.30 Uhr. Seit 12 Jahren ist er Medizinisch-Technischer Radiologie-Assistent und hat Freude an seinem Beruf. An diesem Morgen trägt er ein weißes Hemd dazu eine weiße Hose und weiße Halbschuhe. Das ist seine „Uniform“. Mit ihr wird er von Patienten und Besuchern des Klinikums als medizinische Fachkraft und damit als Ansprechpartner für ihre Sorgen und Nöte wahrgenommen.

Legt er die Uniform ab, ist Michael Hinze zweifacher Familienvater. „Es ist wichtig diese Trennung zwischen Beruf und Privatleben zu vollziehen. Denn an manchen Tagen werden hier in der Radiologie Diagnosen gestellt, die sprichwörtlich über Leben und Tod entscheiden. Die Sorgen dieser Patienten kann man nicht mit nach Hause tragen. Das macht einen sonst fertig“, sagt er.

Für heute hat ihn Ursula Eckstein-Heidenreich – die leitende MTRA des Instituts – an der Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) eingeteilt. Michael Hinze arbeitet gern am MRT – einen Lieblingsarbeitsplatz hat er allerdings nicht. Er liebt die Abwechslung. Das macht für ihn den Reiz des Berufes aus. Je nach Gerät wechselt er sich wöchentlich oder monatlich mit seinen Kolleginnen und Kollegen ab. An diesem Institut arbeiten 20 MTRA, fünf davon sind männlich.

Die Patienten geben den Takt vor
Am heutigen Arbeitsplatz von Michael Hinze ist ein leises surrendes Pochen zu hören. „Das Magnetfeld des MRT ist Tag und Nacht in Betrieb“, erklärt er. Das An- und Abschalten wäre mit einem zu großen Zeit- und Kostenaufwand verbunden. Das MRT-Gerät nimmt den größten Teil des Untersuchungsraumes ein. An den Seiten befinden sich zusätzliche Materialien, die je nach Untersuchung eingesetzt werden. Das Magnetfeld, das das Gerät erzeugt, ist zum davor liegenden Raum mit einer breiten Tür abgeschirmt. Von dort aus planen Hinze und seine Kollegen die Untersuchungen und nehmen an modernen Computer mit großen Flachbildschirmen die Einstellungen für jede MRT-Untersuchung vor. Durch ein Sichtfenster und eine Sprechanlage haben die MTRA‘s Kontakt zu den Patienten und können so zum Beispiel Atem-Anweisungen geben.
Heute Vormittag werden verschiedene Patienten mit Nieren- und Leber-Erkrankungen und auch mit Beschwerden an Kopf und Wirbelsäule untersucht. „Jeder Patient kommt mit einer anderen Vorgeschichte zu uns. Meist merkt man gleich beim ersten Blick, ob ein Patient gut drauf oder aufgeregt ist. Je nachdem kann ich auch mal ein Späßchen mit denjenigen machen oder muss mir Zeit für den Patienten nehmen, auf ihn eingehen und die Abläufe langsam und ruhig erklären“, erzählt Michael Hinze. So passt sich jeder Untersuchungstag dem Takt der Patienten an.

Nach seinem Realschulabschluss wollte er eigentlich Polizist werden. Der Kontakt mit Menschen war ihm für seine Berufswahl wichtig. Ein Büro-Job kam für ihn nicht in Frage. Erst seine Nachbarin brachte ihn zum MTRA-Beruf. Er informierte sich, war schließlich überzeugt und begann 1993 seine Ausbildung zum MTRA. Damals wusste er bereits, dass er sich für einen typischen Frauenberuf entschieden hat. Gestört habe ihn das nicht.

Computer-Kenntnisse sind von Vorteil
Nach der Patientin mit einem Nieren-Leiden wird ein Patient mit einer Leber-Erkrankung im MRT untersucht. Mit ein paar Klicks ist alles bereit. Viele Aufnahmen sind bereits voreingestellt. Die Details bespricht Michael Hinze mit dem Radiologen vor Ort, der gleich nebenan sitzt und die Bilder direkt an großen Flachbildschirmen befunden kann. An diesem Morgen arbeiten seine Kollegin Frau Triebler und Michael Hinze mit Frau Dr. Claudia Großwendt zusammen. Bei einer Aufnahme möchte sie sich die Leber des Patienten aus einer bestimmten Perspektive näher ansehen.
Michael Hinze ändert dafür mit geübten Blick und wenigen Klicks die Parameter der Voreinstellung und schon verändern sich der Winkel der Aufnahme und auch die Untersuchungszeit. Im Schnitt dauert eine MRT-Untersuchung je nach Organ und Körperregion 10 bis 20 Minuten. Bei dieser Leber-Untersuchung werden es nun rund 15 Minuten sein.

Mit digitaler Technik das Interesse junger Männer wecken
Computer-Kenntnisse sind wichtig für den MTRA-Beruf. M. Hinze: „Beim Arbeiten am Computer muss man fit sein und vor allem keine Scheu vor der Technik haben! Man muss allerdings auch nicht vor Ausbildungsbeginn der totale Überflieger sein. Viele Dinge lernt man schließlich erst in der Ausbildung und auch im Berufsleben. Erfahrung spielt bei den Geräte-Einstellungen eine große Rolle.“

Weshalb der MTRA-Beruf trotz großen Technik-Aufkommens vor allem ein Frauenberuf ist, liegt auch in der Geschichte des Berufstandes, so Ursula Eckstein-Heidenreich, leitende MTRA des Radiologischen Instituts des Helios Klinikums Emil von Behring. „Die digitale Radiographie hat sich erst in den letzten zehn Jahren entwickelt.“ Mit der Digitalisierung hofft auch Frau Eckstein-Heidenreich, dass das Interesse der jungen Männer für den MTRA-Beruf steigt.

Organisationstalente für einen reibungslosen Ablauf
Am MRT-Untersuchungsplatz klingelt das Telefon. „Heute um 12 Uhr kommt die Mumie.“ heißt es. Der Fachjargon zeigt, dass die MTRA ihre Arbeit auch mit Humor nehmen können. Michael Hinze erklärt, dass bei sehr jungen Patienten die Füße und Beine bis zum Oberkörper eingegipst werden, damit sich das Kind bei der MRT-Untersuchung nicht bewegt. Verwackelte Bilder können die Radiologen schlecht begutachten. Auch das gehört zum MTRA-Beruf: Termine koordinieren und mit den zuweisenden Stationen des Klinikums Kontakt halten und Details für die MRT-Untersuchung besprechen.

Dann wird das kleine Mädchen von der Station zur Untersuchung gebracht. Sie lächelt und schaut neugierig zum MRT-Gerät. Nach einem kurzen Aufklärungsgespräch dürfen Mutter und Kind in den Untersuchungsraum. Herr Hinze trägt die junge Patientin in den Raum und legt sie vorsichtig auf die Untersuchungsliege. Dann heißt es für ihn erst einmal Mittagspause. Seine Kollegin Frau Lührs übernimmt.

Sein Fazit für den MTRA-Beruf
„Ohne Flexibilität und Teamgeist geht es in diesem Job nicht. Im Team lassen sich eben auch Aufgaben wie das Heben eines Patienten gemeinsam bewältigen, egal ob mit Männern oder Frauen. Auf das Arbeiten Hand in Hand kommt es hier an.“ 

Autorin: Heike Nickel

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