Anke Meyer hat als Medizinisch-Technische-Laboratoriums-Assistentin richtig Karriere gemacht. Die 47-Jährige arbeitet heute als Technische Laborleitung im Zentrallabor des Herzzentrums Bad Krozingen. Ihre Ausbildung hat sie an der MTLA-Schule der Georg-August-Universität in Göttingen gemacht und danach in mehreren Kliniklaboren sowie in der Industrie vielfältige Berufs- und Leitungserfahrung gesammelt. Im MTAwerden-Interview erzählt sie von ihrem Berufsalltag und ihrem Karriereweg.
Frau Meyer, Sie arbeiten als leitende MTLA im Labor eines renommierten Herzzentrum - was sind Ihre Hauptaufgaben?
Meyer: Als Laborleitung kümmere ich mich
überwiegend um Organisatorisches, also zum Beispiel um Personalführung, Qualitätsmanagement, die Umsetzung von Gesetzen wie den Richtlinien der Bundesärztekammer, Kontakt zu unseren Einsendern und Geräteherstellern. Zu meinem Team gehören derzeit elf Mitarbeiterinnen und ein Mitarbeiter. Aktuell geht es darum, zwei bis drei MTLA zusätzlich einzustellen. Wir sind als Labor gewachsen und bearbeiten rund 1,4 Millionen Laborleistungen pro Jahr. Nach wie vor arbeite ich mit im Spät- und Bereitschaftsdienst, an den Wochenenden und Feiertagen.
Sie haben an der MTLA-Schule der Universität Göttingen Ihr MTLA-Examen absolviert. Welche beruflichen Stationen folgten dann?
Meyer: Zunächst war ich noch an der Uniklinik in Göttingen tätig, dann viele Jahre in unterschiedlichen Kliniklaboren des Landkreises Ortenau angestellt, zuletzt an den Standorten in Kehl und Bühl auch in leitenden Positionen. Zwischendurch war ich in der freien Wirtschaft bei einer EDV-Firma für die Laborsoftware zuständig und habe als Kundenbetreuerin gearbeitet. Diese vielfältigen Erfahrungen helfen mir jetzt. Als Laborleitung muss man die Abläufe und Geräte in einem Kliniklabor sehr gut kennen. Wenn es Probleme mit den Analysemethoden oder mit den Geräten gibt, bin ich gefordert. Zu meinem Berufsalltag gehört es daher auch, immer wieder die Geräteschulungen der Hersteller zu besuchen und meine Kolleginnen und Kollegen zu informieren bzw. zu schulen.
Wie sieht ein Tag in Ihrem beruflichen Alltag aus?
Meyer: Zunächst berichtet die Kollegin vom Nachtdienst von der vergangenen Nacht. Heute zum Beispiel war sofort ein Geräteproblem zu beheben – ich musste eine Probennadel an einem Gerät austauschen und dazu braucht man Fachwissen. Es hängt vom jeweiligen Arbeitsplatz ab, wie es dann weitergeht. Mein Team rotiert – das heißt, alle zwei, drei Tage wechselt man den Arbeitsplatz. Wer beispielsweise an einem Gerät arbeitet, muss am Morgen die Inbetriebnahme durchführen - das Gerät beladen, überprüfen oder – wie wir sagen – kalibrieren und die Reagenzien mit Hilfe von Kontrolllösungen überprüfen. Dann kommen die verschiedenen Analyseschritte, technische Validation und Befundung hinzu, später evtl. Wartungen oder auch gelegentlich Reparaturen. Jeden Werktag haben wir eine kurze interne Besprechung. Zu jedem Arbeitsplatz wird gefragt, ob aktuell etwas ansteht. Dann werden gegebenenfalls der Tagesablauf besprochen und wichtige Informationen weitergegeben. Ich habe heute zum Beispiel auch spezielle Anfragen zu bearbeiten: Ein Patient hat Störungen in der Blutgerinnung, ein anderer eine starke Entzündung der Leber. Ich muss für die weitere Diagnostik eine Empfehlung entwickeln und diese mit dem Arzt besprechen.
Manche Jugendliche fürchten, dass eine MTLA in erster Linie Automaten bedient - wie ist da Ihre Einschätzung?
Meyer: MTLA arbeiten in sehr verschiedenen Fachbereichen, etwa in der Klinischen Chemie oder Immunologie, durchaus viel mit Geräten. Dafür braucht man aber auch viel Hintergrundwissen, zum Beispiel zur technischen Bewertung von Laborbefunden und Gerätemeldungen. Die Tätigkeiten im Alltag einer MTLA erschöpfen sich nicht im reinen Bedienen von Geräten. Sie müssen mit der Technik umgehen können – etwa bei Wartungen, beim Beheben von Geräteproblemen, beim Umgang mit den Reagenzien, bei Qualitätssicherung- und -management. Einzelne Arbeitsplätze bei uns sind nach wie vor komplette Handarbeit.
Was hat Sie gereizt, diesen Beruf zu erlernen?
Meyer: Mich hat ganz besonders die Vielseitigkeit der MTLA-Ausbildung gereizt. Es gibt sehr unterschiedliche Arbeitsbereiche, in denen eine MTLA tätig sein kann. Das Arbeiten in einem Zentrallabor ist besonders interessant und abwechslungsreich. Wir müssen an allen Arbeitsplätzen einsatzbereit sein, da alle an den Nacht- und Wochenenddiensten teilnehmen. Wir haben eine ausführliche Einarbeitung, rotieren in kurzen Abständen, führen immer wieder interne Schulungen durch und besuchen Fortbildungen, um uns immer weiter zu entwickeln. Es gibt keinen Stillstand, immer wieder neue Geräte, Änderungen in der Laborsoftware oder den organisatorischen Abläufen, Anforderungen und Aufgaben von Seiten des Gesetzgebers, der Geschäftsführung – all das hält mich auf trapp.
Hinweis: Im Kliniklabor des Herzzentrums Bad Krozingen gibt es für Jugendliche dieser Region auch die Möglichkeit, ein Schulpraktikum zu machen. Wer Interesse hat, wendet sich per Email an Anke Meyer: anke.meyer(at)herzzentrum.de

