MTA - ein typischer Frauenberuf? Oder ein bloßes Klischee? Susanne Werner von der MTAwerden-Redaktion sprach mit Miguel Diaz, wissenschaftlicher Referent bei der Initiative „Neue Wege für Jungs“, über die Berufswahl von Jugendlichen und die Attraktivität unterschiedlicher Ausbildungen.
Rund 350 verschiedene Ausbildungen gibt es. Bei Mädchen und Jungen sind dennoch nur etwa 20 Berufe hoch im Kurs. Warum?
Diaz: In der Tat, 53 Prozent der Jungs wählen eine Ausbildung im Bereich Bau und Metall, 73 Prozent der Mädchen wollen in den helfenden und sozialen Berufsfeldern tätig werden. Die bisherigen Erklärungen dafür greifen aus meiner Sicht nicht. Zum Beispiel das Argument, es liege an der Bezahlung. Ein Kfz-Mechatroniker verdient nicht unbedingt mehr als ein Altenpfleger. Meine These ist, dass die Berufsbezeichnungen eine Signalwirkung haben. Das Arbeiten auf dem Bau oder mit Metall unterstützt eher ein gewisses Bild von Männlichkeit. Das macht den Beruf für Jungen attraktiv.
MTA heißt ausgeschrieben „Medizinisch-technische Assistentinnen und Assistenten“. Ist das ein Hindernis für Jungs?
Diaz: Sicherlich. Männer denken bei ihrer eigenen Arbeit nicht an das Assistieren. Zudem ist der medizinische Bereich stark frauendominiert.
Als MTA in der Radiologie oder im Labor arbeiten sie mit viel Technik und verfügen zudem über ein fundiertes medizinisches, naturwissenschaftliches Wissen. Das widerspricht doch dem Klischee eines typischen Frauenberufs.
Diaz: Sicherlich korrespondiert Technik und Naturwissenschaften mit gesellschaftlichen Männlichkeitsvorstellungen. Allerdings bezweifle ich, dass Jungen genauere Informationen zum MTA haben. Viele Berufe werden aufgrund ihrer Bezeichnung und geschlechtlichen Kodierung schon von vorneherein ausgeschlossen. Auch werden bei Berufsberatungen Jungen und Mädchen nicht selten ganz stereotyp nur mit „geschlechtsadäquaten“ Berufen konfrontiert. Der hohe Frauenanteil bei den MTA muss sich aber nicht zwangsläufig so halten, denn es gab und gibt immer wieder Berufe, die quasi ihr Geschlecht gewechselt haben. Zum Beispiel war der Beruf des Lehrers früher rein männlich besetzt.
Was können MTA-Schulen anbieten, um Jungs stärker anzusprechen?
Diaz: Informierende Angebote, die sich ausschließlich an Jungs richten, sind wichtig und ausgesprochen erfolgreich. Wir haben in einer Studie 4000 junge Männer befragt, die ein Schnupperpraktikum in einem vermeintlichen Frauenberuf gemacht haben. 92 Prozent fanden das Angebot klasse, ein Drittel der Befragten kam zu dem Schluss, dass das so entdeckte Berufsfeld für sie interessant ist. Jungs müssen nicht überredet werden, sondern nur gezielt in die Fachschulen eingeladen werden. Und das am besten schon frühzeitig: Ein Fünftklässler ist noch anders zu begeistern als ein Achtklässler. Gemischte Gruppe bringen aus unserer Erfahrung wenig, da sich dann schnell das eingefahrene Rollenverhalten von Mädchen und Jungen wieder einstellt.

