Arbeiten im Ausland – für manche Jugendliche ist dies ein großer Wunsch. Als ausgebildete MTA gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, in der Welt oder in Europa tätig zu werden. Annette Artelt, Chefdelegierte des dvta im IFBLS (International Federation of Biomedical Laboratory Science) und Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes EPBS (European Professions for Biomedical Science) – dem europäischen Zusammenschluss der Laboratoriumsmedizinisch-technischen Berufe, erzählt im Interview, welche Chancen und welche Hürden es dabei geben kann und wie Interessierte am besten vorgehen sollten.
Welche Länder würden Sie MTA-Absolventen empfehlen, die gerne im Ausland arbeiten wollen?
Artelt: Es gibt sehr unterschiedliche Wege, im Ausland tätig zu werden. Das einfachste ist sicherlich, im Rahmen der Entwicklungsarbeit in einem Land der so genannten dritten Welt tätig zu werden. Sie sind dann bei einer deutschen Organisation beschäftigt, arbeiten aber beispielsweise in Afrika oder Asien.
An wen kann ich mich mit diesem Anliegen wenden?
Artelt: Oftmals gibt es an den Kliniken Initiativen, die gemeinsam Projekte in den Entwicklungsländern betreuen. Das könnten Ansprechpartner sein. Zudem können Sie sich auch über den dvta an jene Kolleginnen und Kollegen wenden, die darin schon Erfahrung haben und Ihnen gerne weiterhelfen.
Wie sind die Chancen, wenn ich gerne in einem europäischen Ausland tätig werden will?<i> </i>
Artelt: Das Arbeiten in England ist sicher sehr interessant. Allerdings ist es nicht einfach, dort die berufliche Zulassung zu bekommen. Von Portugal oder Irland als Wunschstandorte muss ich abraten. Diese Länder haben bisher die entsprechende Directive 2005/36 EG nicht ratifiziert, so dass deutsche Absolventen kaum Chancen haben die Anerkennung zu bekommen. Empfehlen würde ich die Schweiz, Österreich, Spanien oder Skandinavien, da dort deutsche Absolventen willkommen sind.
Was kann es für Hürden geben?
Artelt: Die Ausbildung in Deutschland ist von hoher Qualität. Wir müssen uns vor niemandem in Europa verstecken. In den meisten europäischen Staaten werden MTA jedoch auf akademischen Niveau ausgebildet – nur in Deutschland, Spanien und Luxemburg ist dies nicht der Fall. Das bedeutet: Trotz einem vereinten Europa kann die formale Anerkennung unseres Berufsabschlusses zum Problem werden.
Würden Sie dann eher davon abraten, eine Tätigkeit im Ausland anzustreben?
Artelt: Nein, ganz im Gegenteil. Man reift ja besonders an den schwierigen Herausforderungen und nicht an den leichten. Sie sollten strategisch vorgehen und sich dort bewerben, wo der Bedarf hoch ist – wie etwa in Skandinavien. Und Sie müssen unter Umständen einen langem Atem haben, wenn es mit der beruflichen Anerkennung nicht auf Anhieb klappt. Es sind immer Einzelfallentscheidungen und wenn es Ihnen gelingt, haben Sie danach sehr viele Vorteile. Vor allem brauchen auch wir in Deutschland Absolventen, die ein paar Jahre im Ausland tätig waren und dann zurückkommen. Nicht nur Sie profitieren von diesen Erfahrungen, sondern Sie tragen Ihr Wissen auch in die gesamte Berufsgruppe hinein. Schließlich fordert der dvta mit Blick auf Europa, dass MTA-Studiengänge an den deutschen Hochschulen mit zum Spektrum der Ausbildung gehören sollten. Die bisherige Regelung hat vor allem Nachteile für den Bildungsstandort Deutschland.
Wie sollten die Absolventen vorgehen?
Artelt: Bereiten Sie sich gut vor! Sie müssen Englisch in Wort und Schrift, die zentrale Wissenschaftssprache, gut beherrschen, zumindest wenn es ein englischsprachiges Land sein soll oder die entsprechende Landessprache. Suchen Sie eine Einrichtung aus, in der sie für einige Monate hospitieren können und lernen Sie die Strukturen erst mal kennen! In der Regel ist es einfacher, sich vor Ort – und nicht von Deutschland aus – um die Berufsanerkennung zu bemühen. Auch gibt es bei der EU-Kommission eine Schlichtungsstelle, die behilflich ist, wenn es zu Problemen bei der Anerkennung von Berufsqualifikationen kommt.
