MTA, Professorin, Frauenrechtlerin

Interview mit Frau Prof. Schroeder-Kurth anlässlich des 150. Geburtstages des Lette Vereins. Frau Schroeder-Kurth war in den 50er Jahren MTA-Auszubildende am Lette Verein Berlin.

Nach dem Abitur im Jahr 1950 hatte Prof. Schroeder-Kurth den Wunsch Medizin zu studieren. Doch der Familie fehlte das Geld. So folgte sie der Einladung von Tante und Onkel nach Berlin und begann die Ausbildung zur MTA im Lette Verein. Mit ihr zusammen starteten ca. 40 Frauen unterschiedlichen Alters, teilweise aufgrund des Krieges verwitwet. 

Video: Prof. Schroeder-Kurth: Von der MTA zur Professorin mit Bundesverdienstkreuz, Teil 1 / Lette Verein

Ihre MTA-Ausbildung hat Prof. Schroeder-Kurth in bester Erinnerung. Für ihre weitere medizinische Laufbahn stand die MTA-Ausbildung für das unbedingt wichtige Training in Sachen exaktes Arbeiten, sicheres Bewegen im Labor, Hygiene-Verhalten, Teamarbeit und Fotografie.

Den fotografischen Unterricht – der heute nicht mehr Teil der Ausbildung ist – hebt sie besonders hervor, denn das gut Fotografieren können macht die MTA vielseitiger einsetzbar. Etwa in der Pathologie, in der Organe oder Überreste von Menschen abgelichtet werden müssen, der mikroskopischen Fotografie (wobei in ihren Ausbildungsjahren am Mikroskop gezeichnet wurde) oder in der Humangenetik zur Erstellung von Vaterschaftsgutachten (Gesichter fotografiert und ausgemessen).

Video: Prof. Schroeder-Kurth: Von der MTA zur Professorin mit Bundesverdienstkreuz, Teil 2 / Lette Verein

Nach der Ausbildung arbeitet sie einige Monate in Bern, bewirbt sich dann aber um die Leitung der Röntgenabteilung und des Laboratoriums in einem Krankenhaus in der Lüneburger Heide. Das Bewerbungsgespräch schildert sie als kurios sympathisch. Ihr zukünftiger Chef interessierte sich überhaupt nicht nicht für ihre Papiere, sondern wollte lediglich wissen, ob sie Humor habe und gerne lache. Er ist es auch, der später ihren Vater überzeugt, dass seine Tochter Medizin studieren muss.

Nach dem Studium kehrt Prof. Schroeder-Kurth nach Berlin zurück. Sie erhält aufgrund ihrer Doppelqualifikation den Auftrag zum Aufbau eines Chromoson-Labors. Damit ist die Weichen gestellt für ihr Engagement für das Frauenrecht.

In dieser Zeit noch gilt es als „normal“, dass Frauen kein eigenes Konto haben, dass Entscheidungen im öffentlichen Leben nur mit der Zustimmung des Vaters erlaubt sind oder dass der Ehemann den Vormund einnimmt und beispielsweise seiner Ehefrau verbieten kann, zu arbeiten.

Die Entdeckung der Trisomie 21, der Ursache für das Down-Syndrom, im Jahr 1967 bedingt ein gesellschaftliches Umdenken bezüglich der Selbstbestimmung der Frau: Frauen sollen sich frei entscheiden dürfen, ob sie eine Schwangerschaft abbrechen möchten, wenn während der Schwangerschaft eine Trisomie 21 diagnostiziert wurde. In Deutschland erfolgt entsprechende gesetzliche Änderung des §218 im Jahr 1973.

Die Pränataldiagnostik mit den einhergehenden ethischen Problemen wird für Prof. Schroeder-Kurth wichtiges Arbeitsthema. Sie hält dazu Vorträge und erlangt auch international Anerkennung. Als Mitglied der Arbeitsgruppe Ethik und Humangenetik innerhalb der F•E•S•T (Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e.V.) verfolgt sie das Ziel der Gleichberechtigung der Frau auf politischer Ebene.

Dass sie für ihr Engagement als Frauenrechtlerin mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wird, spielt für sie eine untergeordnete Rolle. Vielmehr geht ihr Engagement weiter. Auch heute noch lautet ein wichtiges Ziel: Gleiche Arbeit, gleiches Geld. Sie verweist jedoch darauf, dass wir in Anbetracht der „seltsamen“ Entwicklung der Frauenrechte schon unendlich viel erreicht haben: Väter die sich um Haushalt und Kindererziehung (mit) kümmern. Ihr ist es ein Anliegen diese positive Entwicklung hervorzuheben.