Medizin-Häppchen im 10-Minuten-Takt (Teil 1)

Beim Science Slam präsentieren junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Forschungsprojekte auf der Bühne –  kurzweilig, amüsant und spannend. Themen aktueller medizin-wissenschaftlicher Arbeiten werden herunter gebrochen und in Parallelwelten übertragen: Der Körper wird zum Gastronomiekonzern, Viren werfen sich in Obst-Schale oder drohen mit dem Nudelholz.

Diese drei Video-Vorträge wollen wir euch im ersten Teil der Medizin-Häppchen vorstellen: 

1. Das Darmrohr – Darm mit Charme
2. Ein Herz für Viren – Viren fürs Herz
3. Re-SPECT, mein Gehirn leuchtet!?

1. Julia Enders: Das Darmrohr – Darm mit Charme

Video, 11:00min
Erster Platz beim 6. Freiburger Science Slam 2012

„Seit dem ersten Semester bin ich auf dem Darmrohr hängen geblieben. Es fing alles mal mit dem Anus an und das ist mein großes Faszinationsgebiet“, sagt Julia Enders zu Beginn ihres Vortrags. Auslöser für ihre Darmaffinität sei ihr Mitbewohner gewesen. Eines morgens hatte er sie beim Frühstück gefragt: „Julia, du studierst doch Medizin: Wie geht kacken?“ Und schon war es um sie geschehen. Der Darm, das hochkomplexe und wunderbare Organ, hatte sie in seinen Bann gezogen.

Sein Image würde ihm nicht gerecht, beteuert Enders dem faszinierten Publikum. „Denn Darm hat ne Menge Charme.“ Und nicht nur Charme. Neuere Forschungen attestieren dem Darm einen Schlüsselrolle für einen gesunden Körper und Geist...

Videostill: Darm mit Charme
Videostill: Darm mit Charme

Video schauen unter: https://www.youtube.com/watch?v=MFsTSS7aZ5o

Ihr Buch „Darm mit Charme: Alles über ein unterschätztes Organ“ eroberte 2014 die Sachbuch-Bestseller-Rankings.

2. Timo Sieber: Ein Herz für Viren – Viren fürs Herz

Video, 12:12min
Zweiter Platz beim Science Slam Berlin 2012

Mit Apfel und Nudelholz und manipulierten Viren rückt Timo Sieber kranken Herzzellen auf den Pelz. Er erläutert, warum Viren die Schnorrer der Evolution sind. Und wie diese appetitlich anmutenden Schnorrer manipuliert werden können. Dazu schneidet er das virale Erbgut heraus und setzt die Gene für die Reprogrammierungsfaktoren hinein. Aus Viren werden dann Vektoren. Im Anschluss verpackt er wieder alles schmackhaft, damit die wählerischen Rezeptoren der Zelle auch zugreifen und die Vektoren in die Zelle hereinlassen. Einmal in die Zelle aufgenommen, packen die Vektoren das Nudelholz aus und bringen die Zelle auf Reprogrammierungskurs.

Enden lässt Timo seinen Vortrag mit einem gigantischen, köstlichen Obstbuffet, anhand dessen er ermittelt, welche Obstsorte (bzw. Vektoren) von der jeweils kranken Zelle tatsächlich begehrt und aufgenommen werden.

Videostill: Ein Herz für Viren – Viren fürs Herz
Videostill: Ein Herz für Viren – Viren fürs Herz

Video schauen unter: https://www.youtube.com/watch?v=gfoayx9l5pc

3. Jochen Müller: Re-SPECT, mein Gehirn leuchtet!

Video, 9:09
Erster Platz beim 4. Science Slam der IdeenExpo 2011

„Ich bin kein Neurologe, sondern Neuro-Biologe und spritze Mäusen radioaktive Flüssigkeiten. Und das ist gut so.“ So stellt sich Jochen Müller von der Experimentellen Neurologie der Charité dem Publikum vor.

Im Laufe des Vortrags bleibt nur zu erahnen, was er mit „und das ist auch gut so“ meinen könnte. Möglicherweise ist er bei seiner kaum zu bremsenden Passion fürs Sichtbarmachen des Körperinneren selber froh, mit Mäusen statt mit Menschen arbeiten zu dürfen.

Das Forschungsgebiet Jochen Müllers sind die nicht invasiven bildgebenden Verfahren. Vier Stück stellt er auf der Bühne vor: CT und MRT machen Anatomie sichtbar. Mit der Erklärung "Reinschieben, Foto machen, fertig", hakt er die beiden dann schnell und schmerzlos ab. 

Bei PET und vor allem bei SPECT aber kommt er ins Schwärmen. Sie machen Funktionen sichtbar, z.B. die Hormonproduktion in der Schilddrüse. Die Verfahren sind empfindlich und dadurch aussagekräftig. Beispielsweise lassen sich im SPECT Tumore und Metastasen aufspüren, die für die Darstellung im CT oder MRT noch zu klein sind. Die Wahl des radioaktiven Stoffes lässt sich dabei exakt auf die Krankheit oder das darzustellende Organ abstimmen, z.B. zur Messung des Blutdurchflusses bei Schlaganfall oder die Darstellung der Niere. 

Zur Erkennung des Leistungsvermögens eines bildgebenden Verfahrens hält Jochen Müller eine sehr einfache Formal parat: "Je länger der Name desto cooler." Re-SPECT!

CT -> Computertomografie
MRT -> Magnetresonanztomografie
PET -> Positronen-Emissions-Tomografie
SPECT -> Single-Photon Emission Computed Tomography

Videostill: Re-SPECT
Videostill: Re-SPECT, mein Gehirn leuchtet!