MTA-Erfahrungsbericht: Job und Studium in England

- Michaela / Warwick Castle

- Ihr Arbeitsplatz / University of Oxford
Michaela beginnt im Oktober 2011 ein Master of Science Studium. Parallel arbeitet sie als Research Assistant an der Uni Oxford. Für MTAwerden.de schildert sie ihren Weg von der MTLA-Ausbildung in Ingolstadt bis zum Studium in England.
Ausbildung
Nach dem allgemeinen Abitur im Jahr 2002 habe ich im September 2002 die dreijährige Berufsausbildung zur medizinisch technischen Laboratoriumsassistentin am Berufsbildungszentrum in Ingolstadt begonnen, welche ich im Jahr 2005 erfolgreich abgeschlossen habe. Schon in der Schulzeit hatte ich den Plan gefasst, dass ich mindestens ein Jahr im Ausland arbeiten möchte, aber ich wollte erst einmal Abi, Ausbildung und ein paar Jahre Berufserfahrung sammeln.
Einstieg ins Berufsleben
Es war nicht einfach, den ersten Job zu finden. Ich komme aus Neumarkt i.d. Opf. und ich wollte im Umkreis bleiben. Es gab nur wenige Stellen und die meisten Arbeitgeber wollten MTA mit Berufserfahrung. Aber ich hatte Glück – nicht zuletzt wegen meiner guten Noten – und bekam den Job, den ich mir ausgesucht hatte: in der Pathologie am Universitätsklinikum in Erlangen. Der Vertrag war auf drei Jahre befristet. Zuerst arbeitete ich im Routine Histologie Labor und dann in der Immunhistochemie. Ein Jahr vor Auslauf des Vertrags kam die Frage auf: Was jetzt? Ich wollte nicht wirklich in der Routine bleiben, sondern eher in ein Forschungslabor. Mein Vertrag wäre zwar verlängert worden, aber ich lehnte ab. Und dann dachte ich mir, das ist der perfekte Zeitpunkt Auslandserfahrung zu sammeln ... jetzt oder nie.
Ausland jetzt oder nie
Ich hatte einige Länder im Blick, in denen ich mir vorstellen konnte, zu arbeiten: Kanada, Neuseeland, Irland, England und evtl. USA. Neuseeland war mir dann etwas zu weit weg. Kanada gehörte zu meinen Favoriten. Aber schnell stellte sich heraus, dass es schwierig werden würde. Zunächst benötigt man ein Visum. Es gibt ein Arbeitsvisum, das auf ein Jahr begrenzt ist, aber nach genau einem Jahr muss man wieder ausreisen. Falls man länger bleiben möchte, braucht man einen Job und die Firma kümmert sich dann um das Visa. Die meisten Firmen aber wollen diesen Aufwand nicht betreiben und bevorzugen Arbeiter aus dem eigenen Land. Außerdem ist die deutsche MTA-Ausbildung nicht anerkannt. Im Endeffekt hätte sich der Aufwand für ein paar Jahre nicht gelohnt. Und für 5 Jahre oder mehr wollte ich nicht planen. Ich habe auch eine deutsche MTA kontaktiert, die in den USA arbeitet und dort ist es in etwa dasselbe, nur noch etwas schwieriger.
In Irland gab es so gut wie keinen Stellen, also habe ich mich letztendlich für Großbritannien entschieden. – Außerdem wollte ich schon immer mal eine Tour durch England, Wales und Schottland machen. Irland kannt ich zu diesem Zeitpunkt bereits.
Vorbereitung
Im Internet habe ich mich dann informiert über: Steuern und Abgaben, Krankenversicherung, Unterhaltskosten, Mietkosten usw. Es ist sehr einfach, Informationen zu finden. Von Erfahrungsberichten zu Info Seiten des britischen Konsulats – im Internet findet man reichlich Material. Das Arbeitsamt ist in dieser Hinsicht nicht sehr hilfreich. Als EU Bürger kann man problemlos in England arbeiten, man braucht nur einen Personalausweis zur Einreise und das wars.
MTA auf Englisch?
Dann ging die Jobsuche los. Auf das erste Problem stieß ich schon bei der richtige Übersetzung für den MTA-Titel. In England existiert der Beruf der MTA in der deutschen Form nicht. Es gibt den Biomedical Scientist. Das ist ein Studiengang und endet mit dem Bachelor Degree und umfasst alle Analysen von Körperflüssigkeiten und Geweben. Da die deutsche MTA-Ausbildung kein Studiengang ist, fallen wir nicht in diese Kategorie. Ich habe mich auch nicht besonders intensiv mit dem Biomedical Scientist befasst, da ich sowieso nicht mehr in der Routine arbeiten wollte.
Es gibt noch diverse andere Bezeichnungen wie Medical Lab Technician oder Medical Technologist. Manche gibt es nur in den USA andere in England, aber es ist schwierig zu verstehen, wo die Unterschiede liegen und was am ehesten mit dem MTA gleichzusetzen ist.
Der Research Technician kam dem am nächsten, was ich machen wollte: Wissenschaftler und Studenten in der Forschung unterstützen. Und so habe ich mich auf diverse Research Technician Stellenangebote beworben. Anforderungen für verschiedene Research Technician Stellenangebote waren sehr verschieden und mehr oder weniger schwammig formuliert bzw. nicht ausführlich beschrieben. Für einige Stellen galt ein Uniabschluss als Voraussetzung, für andere bedurfte es keines Abschlusses.
Bewerben
Die englische Bewerbung ist ganz anders als die deutsche, es ist hier wichtig, sich im Vorfeld zu erkundigen. Zudem ist es unabdingbar, dass man fließend Englisch spricht. Fehler in der Bewerbung machen keinen zu guten Eindruck.
Aber nun das Positive: Es gibt massenhaft Stellenangebote! Und meine spätere Chefin erzählte mir, dass deutsche Research Technicians gerne in England angestellt werden.
Ich habe mich in allen möglichen Städten in England und Schottland beworben, unter anderem in London, Oxford, Leicester, Leeds, Birmingham, Cardiff, Glasgow und Edinburgh. Ich hatte mehrere telefonische Bewerbungsgespräche und einige persönliche Bewerbungsgespräche in England (die Fahrtkosten wurden von den potentiellen Arbeitgebern übernommen).
London oder Oxford?
Letztendlich hatte ich zwei Zusagen: eine in London am Imperial College und eine in Oxford an der University of Oxford. Nach langem Hin und Her, Kalkulierung von Kosten und Auflistung von Vor- und Nachteilen der jeweiligen Städte habe ich mich im Mai 2005 für Oxford entschieden. Eine Entscheidungshilfe war ebenfalls der gute Ruf der Uni Oxford. Dann hatte ich noch ein paar Monate Zeit, den Umzug zu planen. Da ich ganz alleine nach England zog, war alles sehr neu und etwas beängstigend. Eine Wohnung bzw. eine WG zu finden, war das schwierigste. Eine Wohnung kann man sich nicht leisten, also kommt fast nur eine WG in Frage. Aber da die Mitbewohner einen potentiellen Mitbewohner erst mal live kennenlernen wollen, ist es sehr schwierig, von Deutschland aus eine WG zu finden. Ich hatte Glück. – Falls man sich jedoch für ein Zimmer in einem Wohnhaus für Mitarbeiter der Uni Oxford interessiert, kann man sich dafür bewerben und dort für ein Jahr wohnen.
Ende August bin ich umgezogen und am 1. September begann meine Arbeit als Research Technician an der Uni Oxford. Meine Hauptaufgabe was einem Post Doc bei diversen Arbeiten zu helfen: Datenbanken für Tierversuche erstellen, Genotypisierung von Mäusen mittels PCR, Western Blot, Zellkultur, Immunhistochemie usw. Außerdem lernte ich jeden Tag neue Techniken. Bis jetzt habe ich auch viele Sachen gelernt, die wir in der Ausbildung nicht angesprochen haben. Leider hat der Post Doc die Uni bald darauf verlassen und ich war mehr oder weniger auf mich allein gestellt und bekam mehr Aufgaben.
Von der Research Technican zur Reserch Assistant
Nach ca. einem Jahr, habe ich mal wieder Stellenangebote durchgesehen und eine Stellenanzeige für einen Research Assistant gefunden. Diese Stelle war ausgeschrieben für genau die gleichen Tätigkeiten, die ich schon ausübte. Der Unterschied lag nur in die Berufsbezeichnung und natürlich im Gehalt. Zudem besteht der Unterschied zwischen Research Technician<i> </i>und Research Assistant darin, dass der Assistant einen Uniabschluss haben muss, was ich nicht hatte.
Ich bin zu meiner Chefin und habe gefragt, ob ich zum Research Assistant befödert werden könnte, da meine Aufgaben mehr denen eines Research Assistant entsprächen als denen eines Technician. Sie stimmte zu und ein Jahr nach Berufsbeginn stieg ich auf zum Research Assistent.
Jedes Jahr hat jeder Mitarbeiter unserer Forschungsgruppe ein Gespräch mit unserer Chefin über Zukunftspläne und was wir erreichen möchten. Dort kam zur Sprache, dass ich gerne ein Master of Science Studium machen möchte. Voraussetzung für das MSc Studium ist ein 2:1 Bachelor Degree. Von einer Arbeitskollegin habe ich erfahren, dass die Möglichkeit besteht, an der Brooks Universität in Oxford Teilzeit zu studieren, was an der Uni Oxford nicht möglich ist. Also habe ich mich entschieden, an der Brooks Universität in Oxford Molekularbiologie zu studieren. Ich habe mich beworben und habe herausgefunden, dass die MTA Ausbildung angerechnet werden kann. Jedoch hat sich herausgestellt, dass das Teilzeitstudium immer noch 3-4 Jahre gedauert hätte und das, obwohl mir ein Jahr angerechnet worden wäre. Voraussichtliches Studienende wäre im Mai 2014 gewesen und mein Arbeitsvertrag hier läuft nur bis Dezember 2013. Obwohl ich angenommen worden wäre, hätte das zeitlich nicht funktioniert und ich wollte nicht wirklich 4 Jahre in ein Grundstudium investieren und dann anschließend noch mehr Zeit für den Master, mein eigentliches Ziel, aufwenden.
Ich habe mich erneut mit meiner Chefin zusammengesetzt und über alle Möglichkeiten diskutiert. Meine Chefin hat die Studiumzentrale in Oxford kontaktiert. Zunächst erhielt sie die gleichen Infos, die ich schon hatte: die Voraussetzung für ein postgraduate Studium (in meinem Fall MSc) ist ein 2:1 undergraduate degree (Bachelor oder Ähnliches). Dann aber erfuhr sie von einer Alternative: Falls mein Vorgesetzter mir ein Empfehlungsschreiben aufsetzen würde, dass ich das Studium schaffen würde, könne man das 2:1 degree umgehen. Meine Chefin hat sich gerne angeboten, das für mich zu realisieren und ich habe das Empfehlungsschreiben mit der Bewerbung zusammen abgegeben.
Zusage zum Master of Science Studium
Im Mai dieses Jahres habe ich die Zusage bekommen. Ab Oktober dieses Jahres werde ich das Master of Science Studium beginnen. Ich habe mich entschieden ein Forschungsprojekt zu machen, statt Vorlesungen zu besuchen. Ich behalte aber weiterhin meinen Job und bin dann beides: Vollzeit Student und Vollzeit Mitarbeiter. Es kommt also ein stressiges Jahr auf mich zu.
Trotzdem möchte ich versuchen, das Studium in einem Jahr abzuschließen, da die Uni- und College Gebühren sehr hoch sind im Vergleich zu Deutschland. Sie betragen £6000 pro Jahr. Meine Chefin, von der ich in jeder Hinsicht sehr viel Unterstützung bekomme, hat sogar die Hälfte der Kosten übernommen.
Mein Forschungsprojekt habe ich schon begonnen und ich werde auf jeden Fall noch mindestens ein Jahr in England bleiben. Danach geht es eventuell wieder zurück nach Deutschland ... mal schauen.
MTA und England: das passt!
Ich würde jedem der als MTA Auslandserfahrung sammeln möchte, empfehlen, in England zu arbeiten. Es gibt Stellenagebote für alle möglichen Zeiträume, auch viele Stellen, die auf ein Jahr befristet sind. Meine Geschichte klingt vielleicht ein bisschen zu schön, um wahr zu sein und nicht jedem, der in England arbeitet, bietet sich automatisch die Möglichkeit, ein postgraduate Studium zu absolvieren. Es steckt viel Entschlossenheit und Unterstützung dahinter. Und auch wahnsinniges Glück, dass alles so gut klappt! Aber, wer nicht wagt, der nicht gewinnt
Infos zu MTA in England?
Falls Interesse besteht und du mehr Informationen oder Hilfe bei Bewerbungen etc. benötigst, dann steh ich gerne zur Verfügung: michaela.iberl(at)dpag.ox.ac.uk
