WIR KÖNNEN UNS AUSSUCHEN, WO WIR ARBEITEN MÖCHTEN

Prof. Dr. Michael Forsting, Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft
Tobias Terschluse, MTRA-Berufseinsteiger

Bereits zum dritten Mal starten der Deutsche Verband technischer Assistentinnen und Assistenten in der Medizin (dvta), die Deutsche Röntgengesellschaft (DRG) und die Vereinigung medizinisch-technischer Berufe in der DRG in diesem Jahr die MTRA-Aktionstage. Unter dem Motto „Schau rein, was für Dich drinsteckt“ können die Besucher an insgesamt zehn bundesweiten Standorten den vielfältigen Arbeitsplatz der MTRA in Vorträgen und Führungen kennenlernen, Gerätedemonstrationen und „Radiologie zum Anfassen“ erleben.

Im Interview berichten Prof. Dr. Michael Forsting, Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft und Direktor des Institutes für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie am Universitätsklinikum Essen, und Tobias Terschluse, seit August 2011 MTRA-Berufseinsteiger am selben Institut, über die Ausbildungsbedingungen und die Perspektiven des MTRA-Berufs.

Herr Professor Forsting, was erwarten Sie von einer MTRA?
Forsting: Ich erwarte, dass sie gut ausgebildet aus der Schule kommen. Sie sollten das Röntgen und die Computertomographie beherrschen. Nach drei bis sechs Monaten sollten sie ihre ersten Dienste machen können. Als Arbeitgeber hat man aber natürlich auch die Verpflichtung, die MTRA kontinuierlich weiterzubilden. Es sollte selbstverständlich sein, auch als MTRA zumindest an den großen deutschsprachigen Kongressen teilzunehmen.

Herr Terschluse, Sie haben im Juli 2011 Ihre MTRA-Prüfung abgelegt, und sind seitdem MTRA am Institut von Herrn Prof. Forsting tätig. Was erwarten Sie als Berufseinsteiger vom Radiologen bzw. vom radiologischen Institut als Ihrem Arbeitgeber?
Terschluse: Vom Radiologen erwarte ich, dass wir im Team arbeiten. Wir sind abhängig voneinander: MTRA erstellen die Bilder für die Radiologen, wir arbeiten mit den Radiologen zusammen in den Untersuchungen, und von daher ist ein gegenseitiges, kooperatives Zuarbeiten für mich wichtig. Vom Institut als Arbeitgeber wünsche ich mir und erwarte ich, dass die Fortbildungen gefördert werden, wie es auch schon Professor Forsting betont hat, eben weil wir in einem so speziellen Beruf arbeiten, in dem der Fortschritt kontinuierlich ist.

Gibt es auch Erwartungen, bei denen Sie nicht auf einem Nenner sind?
Forsting: Aus meiner Sicht nicht. Wir sitzen in einem Boot, oder besser: an einem Gerät. Wir sind darauf angewiesen, dass unsere MTRA nicht nur die bestmögliche Bildqualität erzeugen, sondern auch sehr viel Ahnung vom Strahlenschutz haben und mit den Patienten gut umgehen. MTRA haben eine sehr komplexe Aufgabe, und ich glaube nicht, dass es zwischen Radiologen und MTRA irgendwo einen Interessenkonflikt gibt. Ich glaube sogar, dass der Teamgeist zwischen MTRA und Radiologen fast noch enger ist als zwischen Krankenschwestern, Krankenpflegern und Ärzten.

Warum haben Sie den Beruf des MTRA ergriffen, welche Motivation hatten Sie?
Terschluse: In meinem Fall war das eine sehr persönliche Geschichte. Ich habe ursprünglich im Rettungsdienst gearbeitet, habe dann eine kaufmännische Ausbildung und Laufbahn eingeschlagen. Während dieser Zeit habe ich einen Arbeitsunfall gehabt, und wurde relativ häufig geröntgt. Ich fand das interessant und habe mich daraufhin an der MTRA-Schule beworben.

Ist der MTRA-Beruf so, wie Sie ihn sich vor der Ausbildung vorgestellt haben?
Terschluse: Ich bin jetzt acht Wochen als MTRA tätig, und bislang haben sich meine Erwartungen erfüllt – im positiven!

Herr Professor Forsting, wer sind aus Ihrer Sicht geeignete Kandidaten für den MTRA-Beruf, was sollte man mitbringen?
Forsting: MTRA brauchen ähnlich viel Empathie, also Mitgefühl und Verständnis, wie eine Krankenschwester oder ein Arzt auch. Das ist kein Beruf für Leute, die sich hinter einem Gerät verstecken wollen. Sie haben zu jedem Patienten Kontakt, und MTRA sehen wahrscheinlich deutlich mehr Patienten als Krankenschwestern. Und zum Teil sind das Patienten, die lebensbedrohlich erkrankt sind. Hinzu kommt das technische Grundverständnis, das man als MTRA braucht, um die komplexen medizinischen Geräte zu bedienen. 

Herr Terschluse, wie zufrieden sind bzw. waren Sie mit Ihrer Situation als MTRA-Berufseinsteiger auf dem Arbeitsmarkt?
Terschluse: Wir haben derzeit einen Fachkräftemangel in diesem Bereich. Das ist für einen Berufseinsteiger eine ideale Startposition! Wir können uns fast aussuchen, wo wir arbeiten möchten, und haben dadurch bessere Möglichkeiten als andere Berufsanfänger.

Bringt Sie das auch in eine gute Verhandlungsposition für die Arbeitsbedingungen?
Forsting: Hier in Essen etwa sind die Arbeitgeber momentan bereit, unsere befristeten Stellen – wie z.B. die Elternzeit-Vertretungen – zu entfristen. Denn wir wissen genau, dass wir mit Arbeitgebern aus dem nicht-öffentlichen Dienst, dem freien Markt, konkurrieren. Diese zahlen  in der Regel etwas besser, aber bieten natürlich auch ein höheres Risiko für den Arbeitsplatz, während eine Uniklinik vielleicht ein bisschen weniger zahlt, aber dafür eine unbefristete Beschäftigung und hohe Arbeitsplatzsicherheit bietet.

Was ist für Sie die besondere Herausforderung Ihres Berufs?
Forsting: Das Spannende an der Radiologie ist, dass Sie genau an der Schnittstelle Mensch-Technik arbeiten. Auf der einen Seite müssen Sie versuchen, mit High-Tech-Medizin möglichst schnell die möglichst richtige Diagnose zu stellen. Auf der anderen Seite haben Sie trotzdem noch viel Zugang zum Patienten. Für mich ist das die perfekte Kombination.

Terschluse: Für mich ist es spannend, den Fortschritt auf diesem Gebiet zu sehen: Es gibt immer Weiterentwicklungen in der Bildgebung, immer wieder neue Untersuchungsmethoden und Untersuchungsprotokolle. Sich diesem Fortschritt zu stellen, ist für mich die Herausforderung und gleichzeitig das Spannende an der Radiologie.

Wo sehen Sie den Beruf der MTRA in fünfzehn Jahren? Welche neuen Anforderungen könnten sich ergeben?
Terschluse: Auf jeden Fall werden MTRA in keinster Weise ersetzbar sein! Manche denken, wir würden nur „Knöpfchen drücken“, aber automatisieren kann man diese Untersuchungen nicht. Jeder Mensch hat unterschiedliche Anforderungen und Bedürfnisse, jeder Patient ist individuell, und auf jeden Patienten muss man gemäß der diagnostischen Fragestellung individuell eingehen – als Mensch, nicht als Maschine.

Vielen Dank für das Gespräch.