Jennys Blog: MTA im Studium

Name: Jenny
Alter: Ü 40
Ort: Essen
Beruf: Studentin (B.Sc. Med. Radiologietechnologie) + Lehr-MTA
Motto: Traumberuf MTRA – nach über 20 Jahren

20. Juli 2015 / 4. Blogeintrag

Das erste Jahr ist geschafft!

So schnell kann es gehen! Vor einem Jahr war ich noch tierisch aufgeregt, ob das wohl alles so klappen wird, ob ich mit der Zeit hinkomme, ob ich alles verstehen kann, wie die anderen wohl so sind und ob das Geld reicht. 

Nun sind die Klausuren geschrieben und ich kann erst einmal entspannt in den Urlaub fahren. 

Die letzten zwei Monate beschäftigten mich die Module Informatik II und Schnittbildanatomie /-pathologie. Gerade die Anatomie, welche ich in Teilen schon einmal gelernt und im Alltag angewendet habe, fiel mir besonders schwer. Mein räumliches Vorstellungsvermögen ist durch meine Berufserfahrung wirklich super, aber meine Merkfähigkeit... 

Es ist mir ein Rätsel, wie Medizinstudenten durch das Physikum kommen. Ich habe es als Lernhilfe mal mit anatomischen Malbüchern versucht. Das ging ganz gut. 

Anatomische Malbücher
Anatomische Malbücher


In der Informatik ging es ganz gezielt um die Bildverarbeitung. Mann, ist das alles kompliziert. Wie viel Mathematik so hinter einem einzigen Bild steckt? Was für schlaue Leute es so gibt!

Schlauer bin ich nach dem ersten Jahr auf jeden Fall auch. Ich hatte so einige Aha-Erlebnisse: Bei Gesprächen untereinander in der Gruppe oder mit Ärzten und Personalchefs kristallisiert sich für mich immer mehr heraus, dass die Radiologische IT ein Gebiet ist, was irgendwie keiner so richtig abdecken kann. Radiologen haben nur bedingt Zeit und Lust, sich damit auseinander zu setzen und die Medizininformatiker kennen oft die Anforderungen in der Radiologie nicht gut genug. Das ist die Chance für uns zukünftige Radiologietechnologinnen und -technologen. Natürlich eröffnen sich uns, sobald wir fertig sind, noch viele andere Einsatz-Möglichkeiten. 

Im Oktober soll der nächste Jahrgang starten. Leider gibt es – wir sind der erste Jahrgang – noch nicht so viele Nachfolgewillige. Damit sich das ändert, werben wir ganz viel.

Am 21.08.2015 etwa wird eine Infoveranstaltung für Interessierte an unserem Studiengang Radiologietechnologie stattfinden. Ich werde auch dort sein und über meine sehr guten Erfahrungen im ersten Jahr  berichten. Ich freue mich schon darauf und bin gespannt, wie viele kommen. Schließlich muss es doch noch mehr unserer „Art“ geben!

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Studentin der Med. Radiologietechnologie

30. April 2015 / 3. Blogeintrag

Kommunikation zwischen MTRA und IT’ler

Wie die Zeit doch rast! Gerade habe ich das Semesterticket für das 2. Semester bekommen…

So langsam finde ich meinen Lern-Rhythmus und kann mir die Zeit nach der Arbeit gut einteilen. Trotzdem muss ich mich  manchmal echt zwingen, die Bücher abends rauszuholen. 

Die ersten Klausuren konnte ich mit sehr guten Noten abschließen. Darauf bin ich ziemlich stolz. Natürlich fragen meine Arbeits-Kollegen nach meinem Studium und vor allem nach den Klausur-Ergebnissen – da möchte ich mich ja nicht blamieren.

Nach den Grundlagenthemen (Mathe, Physik) stehen und standen nun die ersten fachspezifischen Module auf dem Stundenplan: Strahlenschutz/Dosimetrie, Schnittbildanatomie und -pathologie. Diese Themen sind mir natürlich vertrauter.

Die anatomische Fachsprache ist mir bekannt, und ich kann vieles ableiten. Trotzdem muss ich feststellen, wie viel ich auch schon wieder vergessen habe. Da hilft am Ende nur auswendig pauken. Zum Glück schreiben wir die Klausur erst in zwei Monaten.

Ein besonders interessantes Thema in Bezug auf die radiologische Bildgebung ist die Informatik. Ich habe mir im Laufe der Jahre viele Begriffe learning by doing angeeignet.  Leider fehlte mir bis dato das Hintergrundwissen. 

In der Radiologie erfolgt die Verwaltung der Bilder über Netzwerke und Datenbanken. Hierzu bedarf es des Austauschs mit der IT-Abteilung. Gerade bei Schwierigkeiten ist es wichtig, dass MTRA/Radiologietechnologen und IT’ler die gleiche Sprache sprechen und das Entwickeln von Problemlösungen nicht durch eine gestörte Kommunikation in die Länge gezogen wird.

Durch mein Studium erhalte ich jetzt endlich das geeignete Vokabular dazu und lerne, es anzuwenden. :-)

Auf dem Bild seht ihr mich, wie ich einen Computer auseinander schraube und ihn anschließend wieder zusammen bauen muss. Auch dass gehört zu diesem Studium.

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13. Februar 2015 / 2. Blogeintrag

Hier seht ihr mich an meinem ersten „Schultag“. Meine Kollegen unterstützen mich sehr und haben mir zum „Schulanfang“ eine Zuckertüte geschenkt  

Nun studiere ich schon ein halbes Jahr. Die Zeit vergeht rasend schnell und ersten Klausuren der Vorkurse und die Mathematik habe ich schon erfolgreich hinter mich gebracht. Mathe war echt heftig. Ohne Abitur und nach 25 Jahren ohne Schulunterricht war das echt Stress. Ich habe ein halbes Jahr lang intensiv Mathe gepaukt, um mich auf Abitur-Niveau zu beamen. Es hat geklappt :-)

Jetzt beackern wir gerade die Physik. Heute werde ich die Klausur dazu schreiben. Irgendwie bin ich seltsam gelassen. Ich weiß nicht, ob das ein gutes Zeichen ist. Ich werde natürlich weiter berichten.

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10. Februar 2015 / 1. Blogeintrag – Intro

22 Jahre MTRA und immer noch Spaß dabei :-)

Das ist das, was ich für meinen Beruf empfinde und was mich veranlasst hat, etwas zu bloggen. Vielleicht geht es Euch ja einmal genau so, wenn ihr diesen tollen Beruf auch erlernt. 

Ihr habt Glück und könnt Euch auf diesen Seiten von mtawerden.de super informieren. Als ich anfing, gab es so etwas noch nicht.

Viele kommen irgendwie auf Umwegen an diesen Beruf oder eher durch Zufall. Ich wollte eigentlich Physiotherapeutin werden. Da dort damals alle Ausbildungsplätze belegt waren, empfahl man mir den Beruf der Medizinisch-technischen Radiologie-Assistenz eher beiläufig. Dabei ist es einer der wichtigsten Jobs in einem Krankenhaus. Ohne MTA-Berufe, egal ob aus der Radiologie oder dem Labor, funktioniert kein Krankenhaus. Ohne Diagnostik gibt es keine Therapie! Ohne MTA, können wichtige Diagnosen von den Ärzten nicht gestellt werden.

Ihr seht schon, wir werden gebraucht und das dringend!

Damals

Ich komme aus der ehemaligen DDR und habe deshalb ein etwas anderes Schulsystem durchlaufen. Mit einem sehr guten 10. Klasse Schulabschluss und einer Empfehlung für das Gymnasium hätte ich entweder Medizin oder Lehramt studieren können. Auch die Medizintechnik hat mich schon früh interessiert. Die Empfehlung ein Abitur zu machen, habe ich nicht angenommen, da ich mich für eine Ausbildung zur MTRA an einer Medizinischen Fachschule entschied. Ich war also während meiner Ausbildung Fachschulstudentin. Dieser Abschluss sollte mir zum damaligen Zeitpunkt auch ein späteres Studium ermöglichen.

Nach einer 3-jährigen Ausbildung mit etwa 5060 Unterrichtsstunden hätte ich nach heutigen Maßstäben ein Fachabitur besessen, welches mir bestimmte Zugänge zum Studium ermöglicht hätte. Nun ja, dann kam die Wende mit einem anderen Schul-und Hochschulsystem und so hatte ich "nur" noch einen 10. Klasse-Schulabschluss.

Nach meiner Ausbildung zog es mich in den Westen der Republik. So zog ich mit 19 von zu Hause aus und trat meine erste Stelle als MTRA in einem mittelgroßen Krankenhaus an. Ich habe mich schnell eingelebt und war durch meine super Ausbildung auch gut aufs Arbeitsleben vorbereitet. Ich konnte bereits nach vier Wochen Einarbeitungszeit meine ersten Nacht- bzw. Bereitschaftsdienste im Krankenhaus übernehmen. Neben der normalen Röntgendiagnostik hatte ich in meiner Klinik auch die Möglichkeit, in der Strahlentherapie zu arbeiten.

Diese Zeit war intensiv und lehrreich, da wir als kleines Team wirklich von A-Z mit der Betreuung und Therapie des Patienten befasst waren. Ich habe also auch schon als Berufsanfängerin verantwortungsvolle Aufgaben übernommen. Ich war und bin schon immer neugierig gewesen und offen für Neues. Mir war es wichtig, fachlich auf dem Laufenden zu bleiben und Arbeitsabläufe zu optimieren. Nach sechs Jahren Routine in der Klinik war es aber an der Zeit, mal wieder etwas Neues zu lernen.

Mittendrin

Da ich Spaß an der Lehre habe, hatte ich mich, gemeinsam mit einer Kollegin entschlossen, eine berufsbegleitende Ausbildung zur Lehr-MTRA oder Fachlehrerin an MTA-Schulen zu machen. Das habe ich dann in einem Jahr an der Akademie für Lehrkräfte in Münster durchgezogen. Es war schon anstrengend das nebenher zu organisieren und auch die zugehörigen Hausarbeiten abzuliefern. Nach etwa einem Jahr jedoch war es dann geschafft, und ich habe mir auch gleich eine Möglichkeit gesucht, zu unterrichten.

An mein Krankenhaus war eine Krankenpflegeschule angeschlossen. Auch bei der Krankenpflege stehen ein paar Stunden Radiologie auf dem Ausbildungsplan. Diesen Unterricht konnte ich von einem Oberarzt übernehmen, der ihn bis dato durchgeführt hatte. Das war eine ganz neue Herausforderung, die mir aber großen Spaß machte.

Mein Chef stellte mich für diesen Unterricht von der Arbeit frei. Zusätzlich habe ich mit ihm gemeinsam auch den Unterricht für Medizinstudenten übernommen. Er unterrichtete den medizinischen Teil und ich den technisch-praktischen. Das hat einige Jahre gut funktioniert. So nach und nach änderte sich aber die Krankenhauslandschaft. Die Stellen in der Radiologie wurden reduziert und die Arbeit aufgestockt. Die Arbeitsbedingungen verschlechterten sich zusehends.

Ich begab mich also auf die Suche nach einer neuen Stelle. Eine Klinik sollte es möglichst nicht mehr sein, um keine Bereitschaftsdienste mehr machen zu müssen.

Nach 13 Jahren im Krankenhaus verließ ich dann meine Kollegen schweren Herzens, um eine neue Stelle als Dozentin im Strahlenschutz anzutreten. Mein neuer Arbeitgeber war mir schon bekannt, da ich dort nebenher bereits Strahlenschutzkurse gegeben hatte. Durch einen Zufall hatte ich ich von einer festen MTRA-Stelle in diesem Haus erfahren.

Nun arbeite ich schon seit 2006 im Haus der Technik in Essen im Bereich Strahlenschutz. Ich organisiere und manage Strahlenschutzkurse für Ärzte, MTRA, OP-Personal, Arzthelferinnen, für Techniker und Ingenieure. Wir haben für die Schulungen eine eigene Röntgenabteilung mit mehreren Röntgengeräten. Für die einwandfreie Funktion der Geräte muss ich ebenso Sorge tragen, wie für die Einarbeitung neuer Dozenten. Auch reise ich durch die Lande und mache Inhouse-Schulungen in den Kliniken vor Ort. Ich arbeite Fachvorträge und Unterrichtsmaterialien aus. Es ist also eine Tätigkeit, bei der sowohl mein MTRA-Fachwissen als auch mein Organisationstalent gefordert ist.

Heute

2009 erfuhr ich erstmals von Studiengängen für MTRA in Österreich. Das wollte ich auch. Leider erfüllte ich ohne Abitur nicht die Zugangsvoraussetzungen für ein Studium dort. Da die Akademisierung in Deutschland auch schon auf dem Vormarsch war, habe ich meinen Arbeitgeber überzeugen können, doch einen eigenen Studiengang für MTRA in Deutschland zu schaffen.

Das war ein weiter und steiniger Weg! Es hat viel Überzeugungsarbeit gebraucht, um einen solches Projekt zu realisieren. Aber wir haben es geschafft! Nach fast fünf Jahren, im September 2014, war es dann so weit. Die ersten 22 Studenten haben ihr berufsbegleitendes Bachelor-Studium Med. Radiologietechnologie aufgenommen. 

Natürlich bin ich auch dabei. Es ist alles wahnsinnig aufregend, wenn man so lange an der Entstehung mitgewirkt hat und nun selbst studiert.

Für mich, in meinem Alter, ist es natürlich eine besondere Herausforderung. Der Studiengang kostet viel Geld und auch Zeit. Das waren aber alles keine Hindernisse. Ich möchte mehr lernen, mehr wissen und dann doch noch zu meinem Hochschulabschluss kommen.

Ich werde ab jetzt regelmäßig von meiner Zeit als Studentin berichten.