Finanzieller Zuschuss für Auszubildende MTRA in Ingolstadt


Das Team der Radiologieschule Ingolstadt

Seit 2012 besteht am Berufsbildungszentrum (BBZ) Gesundheit in Ingolstadt die Möglichkeit, für die Ausbildung zur/zum MTRA eine finanzielle Unterstützung zu erhalten. Der Ausbildungszuschuss wird dabei von regionalen Kooperationspartnern des BBZ zur Verfügung gestellt. Bislang bekommen sechs Schülerinnen bzw. Schüler Zuschüsse. Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen, spricht sich aber unter den Ausbildungssuchenden schon herum. – Und warum sollten weitere MTA-Schulen nicht nachziehen?
Im Folgenden schildert Rainald Räthke, Bereichsleiter Diagnostik SDL und SDR am BBZ, wie die Vergütungen aussehen, welche Konditionen mit der jeweiligen Vergütung verbunden sind und woher der Anstoß zu diesem eigenen Weg in Sachen Ausbildungsvergütungen kam.

Rainald Räthke: Aufgrund des großen Fachkräftemangels im Bereich der medizinisch-technischen Radiologieassistenten gehen viele private Institutionen inzwischen ungewöhnliche Wege, um diesem Mangel an Arbeitskräften zu begegnen. Begonnen hat das Ganze damit, dass eine Privatpraxis an unserer Schule vorstellig wurde und nach den Gründen für die geringe Anzahl an Absolventen frug.
 
Unseres Erachtens nach sind es vier Faktoren, die den Mangel an MTRA beeinflussen:

1. Geburtenschwache Jahrgänge
2. Konjunkturhoch mit einem entsprechenden Angebot an Ausbildungsplätzen in Industrie und Handwerk
3. Fehlende Ausbildungsvergütung
4. Mangelnde Aufstiegs- und Weiterbildungsperspektiven

An 1. und 2. kann man nichts ändern. Zu 4. möchte ich kurz auf folgendes Beispiel verweisen: An der LMU München ist in Zusammenarbeit mit der dortigen Radiologieschule ein berufsbegleitender Studiengang MTA in Planung, der mit einem Bachelor of Science-Radiologietechnik oder aber Bachelor of Science-biomedizinische Analytik abschließen soll, also auch die Laborassistenten berücksichtigen würde.

Projekt Nr. 1
Die o.g. Privatpraxis stellte anfangs eine Art Stipendium über ein Praxiskonsortium in Aussicht, was sich aber anscheinend zerschlug oder zumindest nicht effizient genug arbeitete, so dass diese Praxis in Eigenregie erneut auf uns zukam und eben anbot, 4 ausgesuchten Schülern/-innen (die sich offiziell bei der Praxis bewerben mussten) eine finanzielle Unterstützung von 300,- € pro Monat + Fahrgeld zur Praxis für die Zeiten der praktischen Ausbildung zu zahlen - und das ganz ohne eine Verpflichtung in der Form, dass der Schüler/die Schülerin nach der Ausbildung in dieser Praxis eine Beschäftigung aufnehmen muss. Derzeit kommen allerdings nur 3 Schülerinnen in den Genuss dieser finanziellen Förderung.

Da dieses Projekt erst in diesem Schuljahr gestartet ist, gibt es natürlich noch keine praktischen Erfahrungswerte über den Anteil an Absolventen, die hinterher in der Praxis arbeiten. Und da die Unterstützung auf freiwilliger Basis erfolgt, könnte die Praxis rein theoretisch diese Zahlungen in naher Zukunft wieder einstellen, wenn der Mitarbeiterstamm auf das Sollmaß angewachsen ist. Dieses Risiko sind wir aber bewusst eingegangen, denn es spricht sich unter den Ausbildungswilligen schon herum, dass es in Ingolstadt die Möglichkeit gibt, eine finanzielle Unterstützung zu erhalten.
 
Projekt Nr. 2
Ein weiteres Vergütungsprojekt hat sich durch unser langjähriges Interesse an der CT-Fertigung bei Siemens in Erlangen/Forchheim ergeben.

Auch die Fa Siemens benötigt immer wieder Applikationsspezialisten zur Präsentation und Vorführung ihrer Geräte, hat aber ebenfalls Probleme, auf dem freien Arbeitsmarkt geeignete Interessenten zu finden. Daher haben sich führende Vertreter der Fa Siemens mit uns zusammengesetzt und nach einer Lösung gesucht. Der erste Ansatz bestand darin, ausgesuchten Schülern ein Stipendium in Höhe von etwa 200,- € zu geben, um damit diese Schüler nach bestandenem Examen an die Firma zu binden. Wir haben dann der Fa Siemens einen Schüler und eine Schülerin empfohlen. Seit Oktober 2011 kommen die beiden darüber hinaus in den Genuss einer finanziellen Förderung in Form einer Ausbildungsvergütung, da sich Siemens entschlossen hat, diese Bewerber in ihr neues Ausbildungskonzept (s. Projekt Nr. 3) einzubinden.

Projekt Nr. 3
In ihrem Portfolio an Ausbildungsberufen bieten sie jetzt (ab Ausbildungsjahr 2013) eine Ausbildung zum "MTRA-Systemtechnologen" mit einer 3,5-jährigen Ausbildungsdauer an. Von diesen 3,5 Jahren verbringen die Auszubildenden 3 Jahre an unserer Schule und werden nach dem Examen in Erlangen noch ein weiteres halbes Jahr nachgeschult. Auch in den Ferien gibt es zusätzliche Kurse/Lehrveranstaltungen bei Siemens, die diese Schüler besuchen müssen. (In diese Ausbildung sind eben auch die beiden von uns empfohlenen Schüler/-innen aufgenommen worden, und zwar gleich im 2. Lehrjahr.)

Diese Ausbildung ist mit einer Ausbildungsvergütung von ca 750,-€ versehen, so dass die Schüler finanziell versorgt sind. Uns bietet sich dadurch der Vorteil, dass wir "unsere Klassen voll kriegen", denn es ist geplant, pro Jahr 3 - 5 Auszubildende bei uns unterzubringen. Außerdem verspreche ich mir von dieser Zusammenarbeit in Zukunft eine verbesserte Geräteausstattung, denn ich könnte mir vorstellen, dass Siemens ihre Azubis in Zukunft auf den aktuellsten Geräten schulen lassen will.

Es ist also für beide Seiten eine win-win-Situation, die der Fa Siemens zu geeigneten Nachwuchskräften verhilft und unserer Schule eine fruchtbare Zusammenarbeit mit einem der führenden Hersteller diagnostischer Geräte gewährleistet. Zudem ist den Schülern/Auszubildenden eine angemessene Vergütung ihrer Ausbildung garantiert.
 
Weitere Infos zu den beiden Ausbildungszweigen MTRA und MTLA findest du hier:
http://www.bbz-ingolstadt.de/ausbildungsberufe/diagnostik/